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8. Oktober 2026
Fünf Prozent sind eine unrealistische Forderung
Erste Runde der Tarifverhandlungen in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie
Zum Auftakt der Tarifverhandlungen in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie hat NORDMETALL-Verhandlungsführerin Lena Ströbele die Forderung der IG Metall Küste als unrealistisch und inakzeptabel zurückgewiesen. „Fünf Prozent Lohnsteigerung und weitere Zusatzleistungen für ein Jahr sind angesichts der dramatischen Lage der M+E-Industrie nicht akzeptabel“, erklärte Ströbele nach den rund zweistündigen Verhandlungen in Hamburg-Bergedorf. „Wir haben den Gewerkschaftsvertretern ausführlich dargestellt, dass die deutsche M+E-Industrie seit 2019 gut 340.000 Arbeitsplätze verloren hat und der Abbau von bis zu 300.000 weiteren Stellen droht, wenn jetzt nicht energisch umgesteuert wird. Die Produktion liegt 15 Prozent unter dem Niveau von 2019. Das liegt nicht nur an den immer noch schlechten Rahmenbedingungen im Land, der wachsenden Konkurrenz aus China, den US-Zöllen und internationalen Konflikten. Das liegt vor allem an den viel zu hohen Arbeitskosten in der M+E-Industrie. Etwa 55 Euro kostet eine Arbeitsstunde in Deutschland, nur gut 18 Euro in Polen, bei mittlerweile vergleichbarer Produktqualität, um nur ein Beispiel zu nennen – diese Differenz vernichtet Wettbewerbsfähigkeit“, so Ströbele.
Angesichts dieser historischen Krise hätten noch nie so viele norddeutsche M+E-Firmen Produktionsverlagerungen ins Ausland geplant wie heute: „Mehr als ein Viertel fühlen sich gezwungen wegzuziehen. Der extreme Kostendruck setzt selbst den Unternehmen mit gut gefüllten Auftragsbüchern in der Luft- oder Raumfahrtindustrie, unter Schiffbauern und der Rüstungswirtschaft massiv zu – von gebeutelten Betrieben im Maschinen- oder Straßenfahrzeugbau ganz zu schweigen. Wenn wir den Abbau von Arbeitsplätzen und die Verlagerung oder Schließung von Betrieben verhindern wollen, müssen wir jetzt Kosten senken, um den Standort zu retten.“
Nachdem man in der ersten Verhandlungsrunde am Donnerstag versucht habe, ein gemeinsames Bewusstsein für diese existenzielle Bedrohung herzustellen, müssten beide Seiten in den kommenden Wochen die richtigen Schlüsse aus diesem Befund ziehen. „Nur wenn wir jetzt eindeutige Signale des Umsteuerns gegen den massiven Kostendruck geben, haben wir als Sozialpartner unsere gemeinsame Verantwortung für das Land und unsere Industrie wahrgenommen“, sagte die Tarifverhandlungsführerin. NORDMETALL und die IG Metall Küste kommen am 27. Oktober in Oldenburg zur zweiten Verhandlungsrunde zusammen.