Zurück zur Übersicht 16. Februar 2026

Norddeutsche Industrie leidet unter US-Handelspolitik – und versucht ihre Abhängigkeit zu verringern

Die aktuelle US-Handelspolitik mit ihrem wiederkehrenden Muster angedrohter oder tatsächlich angewandter Zollerhöhungen stufen 86 Prozent der norddeutschen Industrieunternehmen als „eher schlecht“ oder „schlecht, schädlich“ ein. Vor zehn Jahren sahen das nur 42 Prozent der Betriebe so. Für den Fall eines handfesten Handelskonflikts erwarten 27 Prozent der Firmen einen Exportrückgang in den USA, die betroffenen Unternehmen fürchten im Durchschnitt um 30 Prozent ihres gesamten US-Exports. Auf die veränderte Lage reagieren 28 Prozent der Unternehmen damit, ihre Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten von Amerika in Sachen digitaler Infrastruktur zu verringern, und 24 Prozent verlagern ihre Exportanstrengungen auf andere Märkte. 17 Prozent versuchen, ihre Lieferketten unabhängiger von den USA zu machen.

Das ist eines der Ergebnisse einer Blitzumfrage von NORDMETALL und AGV NORD unter ihren rund 700 Mitgliedsunternehmen mit mehr als 180.000 Beschäftigten in Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und dem nordwestlichen Niedersachsen. 147 Betriebe mit rund 51.000 Beschäftigten beteiligten sich zwischen Ende Januar und Anfang Februar an der Befragung. 2016 hatten die beiden Arbeitgeberverbände eine weitgehend deckungsgleiche Umfrage durchgeführt.

Dr. Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer von NORDMETALL und AGV NORD, sieht die Entwicklung mit Sorge, aber nicht ohne Zuversicht: „Jeder Handelskonflikt mit den USA trifft auch die norddeutsche Wirtschaft empfindlich, und das Vertrauen in die seit mehr als hundert Jahren gewachsenen Beziehungen erodiert stetig. Das ist die schlechte Nachricht. Doch die Umfrage zeigt auch, dass unsere Mitgliedsunternehmen auf diese Entwicklung reagieren: Sie kehren den Vereinigten Staaten zunehmend den Rücken und richten sich neu aus – auf jene Märkte, die künftig größere Exportchancen eröffnen. Darum ist nicht nur das EU-Handelsabkommen mit Indien so wichtig; deshalb darf auch das Abkommen mit dem Mercosur nicht länger politisch torpediert werden.“

Mit 52 Prozent exportieren mehr als die Hälfte der norddeutschen Betriebe Waren in die USA, mit 22 Prozent bezieht mehr als jeder fünfte Güter von dort. Beide Werte haben sich seit 2016 kaum verändert. Jedoch unterhalten heute nur noch 20 Prozent der Unternehmen eine eigene Vertriebsfiliale in den Vereinigten Staaten von Amerika (2016: 24 Prozent), und nur noch fünf Prozent gehören zu einem US-Mutterkonzern (2016: zehn Prozent). Eigene Fertigungsstandorte in den USA unterhalten jetzt 14 Prozent der Firmen (2016: 12 Prozent), keine Handelsbeziehungen mit den USA pflegen heute 37 Prozent der Firmen (2016: 40 Prozent).

Der Anteil norddeutscher Industrieunternehmen, deren Umsatzanteil mit den USA zehn Prozent oder mehr beträgt, ist von 2016 bis 2026 nur geringfügig von 20 auf 21 Prozent gestiegen. Für die künftige Entwicklung erwartet ein großer Teil der Betriebe jedoch Verschlechterungen: 46 Prozent befürchten einen schlechteren Zugang zum US-Markt, 38 sehen schwarz für den freien Personalaustausch. 36 Prozent rechnen mit einem Zwang, in den USA produzieren zu müssen, wenn sie dort im Markt bleiben wollen. Alle diese Werte liegen deutlich über denen von 2016.

Hier finden Sie die Präsentationsfolien der Blitzumfrage.

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