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25 Jahre Verkehrsregion-Nahverkehr Ems-Jade

Die Vorfreude ist groß, berichtet Tilli Rachner, Geschäftsführer der Verkehrsregion Ems-Jade (VEJ). In diesem Jahr feiert die VEJ ihr 25-jähriges Jubiläum mit einem Festakt in der Kulturscheune des Schlosses Lütetsburg. Viele Gäste aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft sowie zahlreiche ehemalige Kolleginnen und Weggefährtinnen der vergangenen Jahre haben sich für den am 02. Juni stattfindenden Festakt angemeldet. „Wir werden das Jubiläum mit einer Besichtigung der Museumseisenbahn in Norden beginnen und dann von dort mit einer historischen Bahn zum Haltepunkt in der Nähe des Schlosses Lütetsburg fahren“, so Rachner. Auf der Feier werden Umweltminister Olaf Lies, Landrat Holger Heymann sowie der VEJ-Geschäftsführer die Gäste begrüßen und einen Rückblick auf das Erreichte der letzten Jahre sowie einen Ausblick in die Zukunft geben. Begleitet wird die Veranstaltung durch den ehemaligen NDR-Moderator Ludger Abeln.

Die Verkehrsregion Ems-Jade wurde im Frühjahr 1997 von ihren Gesellschaftern, den Landkreisen Aurich, Emsland, Friesland, Leer und Wittmund sowie den kreisfreien Städten Emden und Wilhelmshaven gegründet. Im vorletzten Jahr kam als achter Gesellschafter die Stadt Leer hinzu. Bereits nach sehr kurzer Zeit zeigte sich, dass das eigentliche Thema, die Entwicklung des Busverkehrs, zunächst in den Hintergrund treten musste. Durch Planungen der Deutschen Bahn drohte, dass Ost-Friesland vom Fernverkehr abgekoppelt wird und auch im Nahverkehr waren deutliche Einschränkungen zu befürchten.

„Diese Bedrohungen sorgten für einen auf diesem Gebiet zuvor nicht gekannten Schulterschluss der Gebietskörperschaften, der Kammern, der Politik und Verwaltungen“, führt Rachner aus. Gemeinsam sei es gelungen, dass zunächst einmal die Fernverkehrsverbindungen auf der Nord-Süd-Achse von Ostfriesland ins Ruhrgebiet und auf der Ost-West-Achse, sowohl von Ostfriesland als auch vom Emsland über Rheine nach Hannover/Berlin/Leipzig erhalten wurden. Einzig die Anbindung nach WHV/Friesland wurde mit Einstellung des Interregio 2002 tatsächlich verschlechtert.

Während der Fernverkehr also nur zum Teil erhalten werden konnte, erlebte der Nahverkehr auf der Schiene eine nie zuvor gekannte Blüte. Sämtliche Strecken in der Region Ems-Jade wurden sukzessive unter Federführung der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) ausgebaut. „Heute gibt es auf allen Linien mindestens eine stündliche Bedienung von dem frühen Morgen bis zum späten Abend, an allen Tagen des Jahres“, freut sich der Wittmunder Landrat Holger Heymann, der seit 2020 Vorsitzender der VEJ ist. Das Zugmaterial sei innerhalb weniger Jahre komplett ausgetauscht worden, so dass im gesamten Netz neue und/oder neuwertige Fahrzeuge verkehrten. Eine deutliche Zunahme der Fahrgastzahlen war die Folge dieser positiven Entwicklungen. Und auf den Schienenstrecken in der Region fuhr nicht mehr nur die Deutsche Bahn, sondern es kamen andere Bahnen hinzu. Als erstes die NordWestBahn im Weser-Ems-Netz, später die WestfalenBahn, die EuroBahn und von Leer nach Groningen die Arriva.

„Das Thema Busverkehr nahm Ende der 90er Jahre Fahrt auf mit der bevorstehenden Expo am Meer in Wilhelmshaven“, erläutert Rachner. Die VEJ organisierte mit den Busunternehmen und mit den Kolleg*innen vom Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) ein weit über Wilhelmshaven reichendes Angebot mit Bus und Bahn für Gäste der Expo am Meer. Im Jahr 1998 startete die VEJ mit ihren Gesellschaftern das VEJ-Wartehallenkonzept. Auf dieser Basis werden bis heute die Bushaltestellen im Gebiet Ems-Jade ausgebaut. Insgesamt wurden seitdem annähernd 1.900 Haltestellen sowie über 60 Zentrale Omnibusbahnhöfe (ZOB) erneuert, ausgestattet mit neuen Wartehallen und mit Fahrradabstellanlagen sowie viele barrierefrei ausgebaut. Ein weiteres Highlight war 2003 die Einführung des VEJ/VBN-Semestertickets für die Studierenden in der Region. Seitdem können mit dem Studierendenausweis sämtliche Nahverkehre im VBN und im VEJ-Gebiet genutzt werden.

Im Jahr 2008 startete eins der Leuchtturmprojekte der VEJ, der Einsteigerbus, ein Bussicherheitstraining für Kindergärten und Schulen, welches die VEJ mit den Partnerbusunternehmen kostenlos für die Einrichtungen anbietet. Von Beginn an bis jetzt sind alle Termine an allen Schultagen des Jahres ausgebucht und es wurden über 150.000 Kinder und Jugendliche zum sicheren Verhalten im Bus und an der Bushaltestelle geschult. Ein Jahr später startete der Ost-Friesland-weite Urlauberbus. Übernachtungsgäste der Region können seitdem für nur einen Euro pro Fahrt und Person das gesamte Busliniennetz des Verkehrsverbundes Ems-Jade (d. h. in Ost-Friesland sowie im benachbarten Ammerland) nutzen. Das Angebot erreicht Nutzungszahlen von über 200.000 Gästen jährlich. Für ihr Engagement bei der Verknüpfung von Bus- und Bahnangeboten insbesondere mit dem Urlauberbus wurde die VEJ gemeinsam mit dem Nationalpark Niedersächsischen Wattenmeer im Jahre 2012 mit dem Fahrtziel Natur Award der Deutschen Bahn ausgezeichnet.

Zahlreiche weitere Verbesserungen im Busverkehr haben die Busunternehmen bzw. wurden in Kooperation mit den Landkreisen und kreisfreien Städten auf den Markt gebracht. „So hat beispielsweise die Firma Edzards im Jahre 2009 den Taktverkehr der sogenannten Küstenlinie zwischen Norden, Esens, Bensersiel und Harlesiel mit einer stündlichen täglichen Verbindung eingeführt“, erklärt Landrat Heymann. Darüber hinaus wird seit drei Jahren in allen Bussen der VEJ-Region das Niedersachsenticket anerkannt. Damit können Gäste aus ganz Niedersachsen, die mit der Bahn anreisen, auf die Busse in der VEJ umsteigen, ohne dafür zusätzlich bezahlen zu müssen.

„Wir haben bereits viel erreicht bei der Verbesserung des ÖPNV-Angebotes in unserer Region. Es ist aber nicht zuletzt auch unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes unbedingt notwendig, dass das Angebot weiter verbessert wird, damit noch mehr Menschen, sei es die einheimische Bevölkerung oder unsere touristischen Gäste, gerne mit Bus und Bahn fahren. Die Gesellschafter in der VEJ bekennen sich zu diesem Ziel und werden in ihren Anstrengungen dafür nicht nachlassen“, so VEJ-Geschäftsführer Rachner.

Damit man für die zukünftige Aufgaben gerüstet ist, beabsichtigen die Gesellschafter der Verkehrsregion Ems-Jade die VEJ zu einem Mobilitätsverbund weiterzuentwickeln. Dabei wird das Ziel verfolgt, das Tarif- und Verkehrsangebot im Sinne eines nachhaltigen und kundenorientierten Mobilitätsangebotes weiterzuentwickeln. Zentrale Elemente eines attraktiven ÖPNV sind das Fahrplanangebot und ein leicht nachvollziehbarer Tarif. Beim Fahrplanangebot wird angestrebt, auf den Hauptlinien in der Region ein vertaktetes, stündliches Angebot bzw. einen Zweistundentakt anzubieten. Beim Tarif soll die Anzahl der Tarifzonen gegenüber dem heutigen Zustand deutlich reduziert werden. Die neue Tarifstruktur orientiert sich dabei an den Gemeinde- und Landkreisgrenzen. „Im Tarif ist der Landkreis Friesland Vorreiter gewesen: im vorigen Jahr wurde das System ‚eine Gemeinde – eine Zone‘ umgesetzt. Der Landkreis Wittmund wird zum neuen Schuljahr dieses einführen“, erläutert Landrat Heymann.

Ein großes Thema ist die Digitalisierung des ÖPNV. Nach rund dreijähriger Planungs- und Umsetzungsphase haben in diesem Jahr die Landkreise Aurich, Friesland, Leer und Wittmund sowie die Stadt Wilhelmshaven – und bereits zuvor der Landkreis Emsland – in Zusammenarbeit mit den Verkehrsunternehmen ein Echtzeitdateninformationssystem eingeführt. Ein Großteil der Busse im Emsland und alle 300 Busse des Verkehrsverbundes Ems-Jade wurden mit einer Technik ausgestattet, die zu jeder Zeit den Standort der einzelnen Busse anzeigt, mit dem Hinweis, ob diese pünktlich oder verspätet sind. Der Fahrgast hat nun die Möglichkeit auf seinem heimischen PC, aber auch unterwegs auf dem Laptop, Tablet oder Handy zu sehen, ob der Bus, den er bzw. sie erreichen möchte, pünktlich ist, bzw. wie lange es dauert, bis der Bus da ist, oder gar, ob er verpasst wurde (unter www.fahrplaner.de oder in der App Fahrplaner). Bei einem Kostenaufwand von rund 4 Mio. Euro liegt die Förderung der Landkreise und der Stadt Wilhelmshaven bei rund 3 Mio. Euro.

Noch in diesem Jahr sollen ergänzend hierzu sogenannte digitale Fahrgastinformationssysteme ausgeschrieben werden. Hierbei handelt es sich um elektronische Anzeigetafeln, die an den zentralen Bushaltestellen in der Region aufgestellt bzw. aufgehängt werden sollen. Hier genügt ein Blick auf diese Tafeln und der Fahrgast ist informiert, wann der Bus an dieser Haltestelle eintreffen wird.

Die Unternehmer und Aufgabenträger in der VEJ sind dabei, einen bargeldlosen Zahlungsverkehr einzuführen. Damit kann der Gast zukünftig in den Bussen mit seiner EC- oder Kreditkarte bezahlen, aber auch andere Systeme, wie Handyticket sollen möglich sein. Es bleibt aber auch weiterhin die Möglichkeit bestehen, mit Bargeld zu bezahlen.

„Weitere Themen, die wir angehen wollen bzw. schon begonnen haben, sind die Einführung eines interaktiven Liniennetzkartensystems, die Einrichtung von sogenannten Mobilitätsstationen, die Weiterentwicklung unserer Mobilitätszentralen sowie die Umstellung der Verkehre auf lokal emissionsfreie Antriebe. Hier hat die VEJ im vorigen Jahr in Kooperation mit Busunternehmen der Region zahlreiche Probebetriebe mit Elektrobussen durchgeführt, mit dem Ziel diese sukzessive auch in der Region einzuführen“, so abschließend VEJ-Geschäftsführer Rachner.

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