Zurück zur Übersicht 17. August 2026

Pflege braucht Verlässlichkeit – auch als Standortfaktor für Wilhelmshaven und Sande

Pflege wird häufig vor allem als soziales Thema diskutiert. Das ist richtig, aber nicht vollständig. Pflege ist auch ein wichtiger Teil der regionalen Infrastruktur. Sie betrifft Familien, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Unternehmen, Kommunen und die Frage, ob Menschen in unserer Region auch im Alter oder bei Pflegebedürftigkeit verlässlich versorgt werden können.

Aus dieser Praxis heraus wird deutlich: Ambulante Pflege funktioniert nur, wenn verschiedene Leistungen flexibel ineinandergreifen.

Der aktuelle Entwurf zur Pflegereform – Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) – stellt diese Struktur jedoch teilweise infrage. Zwar sollen einzelne Pflegeleistungen in den Pflegegraden erhöht werden. Gleichzeitig sollen bewährte Bausteine wie Entlastungsbetrag, Beratungseinsätze und stundenweise Verhinderungspflege wegfallen, verändert oder anders zugeordnet werden. Dadurch kann trotz höherer Pflegegradleistung am Ende weniger konkrete Hilfe beim Menschen ankommen.

Die zentrale Gefahr ist: Der Pflegebedarf verschwindet nicht. Die Kosten werden nur verlagert.

Für die Region bedeutet das: Bestehende Versorgungsstrukturen werden geschwächt, obwohl sie dringend gebraucht werden.

Auch für Pflegeanbieter hätte eine zu schnelle Umsetzung Folgen. Pflegeeinrichtungen brauchen Planungssicherheit. Personal, Touren, Verträge, Fahrzeuge, Dienstpläne und Versorgungskonzepte lassen sich nicht kurzfristig umstellen. Wenn Leistungsbereiche wegbrechen oder nicht mehr refinanziert werden, entstehen wirtschaftliche Risiken bis hin zu Personalabbau. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels wäre das ein falsches Signal.

Aus diesem Grund hat der Pflegedienst Dumke das Gespräch mit politischen Entscheidungsträgern gesucht. In der Seniorenwohngemeinschaft in Sande fand ein konstruktiver Austausch mit Anne Janssen, Bundestagsabgeordnete für unsere Region, und Karin Kleinwächter von der CDU Wilhelmshaven statt. Dabei konnten die praktischen Auswirkungen der geplanten Reform direkt vor Ort dargestellt werden. Frau Janssen hat die geschilderten Probleme und Verbesserungsvorschläge aufgenommen und möchte diese in die weiteren politischen Gespräche mitnehmen.

So braucht die Reform klare Nachbesserungen:

Bestehende Versorgungen müssen geschützt werden. Wer heute versorgt wird, darf durch einen Systemwechsel nicht plötzlich weniger Hilfe bekommen.

Es braucht realistische Übergangsfristen. Pflegeeinrichtungen benötigen Zeit, um Strukturen, Personalplanung und Verträge anzupassen.

Die flexible Kombination von Leistungen muss erhalten bleiben. Ambulante Versorgung funktioniert nur, wenn Pflege, Hauswirtschaft, Betreuung, Beratung und Angehörigenentlastung zusammen gedacht werden.

Das geplante Sozialraumbudget muss auch für qualitätsgesicherte ambulante Pflegedienste nutzbar sein. Bestehende professionelle Strukturen dürfen nicht ausgeschlossen werden, wenn sie bereits verlässlich Versorgung leisten.

Und bevor Leistungen gekürzt oder verschoben werden, müssen Bürokratie, Doppelstrukturen und Verwaltungskosten konsequent geprüft werden.

Die Pflegeversicherung muss stabilisiert werden. Darüber besteht kein Zweifel. Aber Stabilisierung darf nicht bedeuten, dass Kosten einfach an Pflegebedürftige, Angehörige, Kommunen oder Anbieter weitergereicht werden.

Pflege ist Teil der regionalen Daseinsvorsorge. Sie ist zugleich ein bedeutender Arbeitgeber und ein wichtiger Standortfaktor. Wenn ambulante Strukturen geschwächt werden, betrifft das nicht nur einzelne Pflegeeinrichtungen. Es betrifft Familien, Arbeitnehmer, Unternehmen und Kommunen in der gesamten Region.

Deshalb gilt: Pflegereform ja – aber mit Augenmaß, Bestandsschutz, realistischen Übergangsfristen und dem Erhalt funktionierender ambulanter Versorgungsstrukturen.

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v.l.: Nikolai Dumke, Jana Dumke-Waldschmidt, Anne Janssen, Karin Kleinwächter, Foto: Pflegedienst Dumke

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