Zurück zur Übersicht 27. November 2023

Metallarbeitgeber fordern: „Deutschland muss einfacher und schneller werden!“

46. NORDMETALL-Martinsgans: De-Industrialisierung in Deutschland verhindern

„Energiepreisexplosion, Arbeitskräftekrise, grüne Industriepolitik, unablässiger Bürokratieaufbau – diese Masse an Fehlleistungen sind der Einstieg in die De-Industrialisierung Deutschlands“, warnte NORDMETALL-Präsident Folkmar Ukena in seiner Rede anlässlich des 46. Martinsgansessens der norddeutschen Metall- und Elektroarbeitgeber am Donnerstagabend im Hotel Atlantic Hamburg. Rund 400 Gäste vor Ort verfolgten den Abend mit der sich anschließenden Debatte „Grünes Wirtschaftswunder oder De-Industrialisierung – wohin steuert Deutschland?”. Zusätzlich wurde der Abend live ins Internet übertragen.

Die Politik forderte Ukena in seiner Rede auf: „Deutschland muss einfacher und schneller werden! Bauen Sie Bürokratie ab, wo es nur geht – und da gibt es viele Möglichkeiten. Machen Sie aus dem Prinzip, one in – one out‘ die Regel, dass künftig einem neuen Gesetz die Abschaffung zweier anderer Gesetze folgt. Sorgen Sie für mehr Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung! Und nehmen Sie das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum 60-Milliarden-Schattenhaushalt als Weckruf, diese Milliarden an anderer Stelle im aufgeblähten Bundeshaushalt einzusparen und endlich die richtigen Prioritäten für Wachstum und Investitionen zu setzen, für eine beherzte Angebotspolitik – und eine Absage an neue soziale Wohltaten und alte Rentenversprechen.“

Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW): „Wir erleben das Ende der europäischen Moderne. Wir erleben eine grundsätzliche Neujustierung der weltwirtschaftlichen Ordnung, der politischen Ordnung und damit auch der Position, die Deutschland und Europa in dieser Welt haben. Der Umbau hin zur Klimaneutralität beutet nichts anderes, als dass wir funktionsfähige Kapitalbestände vor ihrem Abgang aus dem System entnehmen und durch Neues ersetzen. Dadurch machen wir den Kapitalstock klimaneutraler, aber per se nicht effizienter. Deshalb brauchen wir eine breite, angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, die Wachstum stärkt. Das schließt außer den Investitionen in die Infrastruktur, Bürokratieentlastung, Verfahrensbeschleunigung auch die Steuerpolitik mit ein.“

Michael Kruse MdB, energiepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, betonte: „Es gibt vier wesentliche Dinge, die die wirtschaftliche Lage der vergangenen zehn Jahre haben gut werden lassen: günstige Energie, enormer Fachkräftezuzug, eine Niedrigzinsphase, wie sie dieses Land noch nie gesehen hat, und die Reformagenda 2010. Diese Reformagenda ist nun aufgefrühstückt. Sie ist im Wesentlichen in zusätzliche Sozialtransfers geflossen, auch in Maßnahmen des Klimaschutzes. Dieses Land kann nicht weitermachen wie bisher. Es muss eine neue, angebotsorientierte Reformagenda geben. Wenn dieses Land mehr Wohlstand möchte, dann wird es dafür auch etwas leisten müssen.“

Ulrike Herrmann, Publizistin und taz-Wirtschaftskorrespondentin, bemerkte in der Diskussion: „Wenn Deutschland klimaneutral werden will, muss es Schulden aufnehmen. Deswegen muss die Schuldenbremse reformiert werden. Es ist doch klar, worum es hier geht: Es geht ums Überleben! Die zentrale Frage lautet: Wird es uns gelingen, bis 2045 genug Öko-Energie zu haben, um die gesamten fossilen Energieträger, die wir im Moment nutzen, zu ersetzen. Meine Antwort ist nein. Wir müssen die Klimakrise bewältigen mit der Technik, die wir haben. Deshalb läuft es auf grünes Schrumpfen hinaus und nicht auf grünes Wachstum. Was ich bei dem enormen Optimismus in der Debatte vermisse, ist: Es gibt keinen Plan B.“

Dr. Nico Fickinger, Hauptgeschäftsführer von NORDMETALL: „Ich wehre mich ein bisschen, zu sagen, wir – die vielen Unternehmerinnen und Unternehmer – schaffen es nicht, in 22 Jahren weitere Wege zu finden, dem Klimawandel Herr zu werden. Das ist doch das Geschäftsmodell, das die Firmen haben, immer ressourcenschonender zu produzieren. Eine andere Frage treibt mich viel stärker um: Brauchen wir für Transformation und Klimaschutz überhaupt 60 Milliarden Euro vom Staat? Oder sind es nicht bedeutend weniger, weil es die Verwaltung nicht schafft, diese effizient einzusetzen.“

Seit 1978 lädt NORDMETALL, der Arbeitgeberverband der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie, einmal im Jahr zum traditionellen Martinsgansessen nach Hamburg ein.

Aktuelle News.

2. September 2026

Jade Hochschule und BFE stärken Fachkräftegewinnung in der Region

Zukunftsregion JadeBay fördert digitale Lernumgebung mit 930.000 Euro Wie können alle Lernenden optimal in ihren Lernprozessen begleitet und unterstützt werden? Dieser Frage widmen sich die Jade Hochschule und das Bundestechnologiezentrum …

Weiterlesen
31. August 2026

Geschäftsstelle am 01. September geschlossen

Aufgrund einer Bombenentschärfung in unmittelbarer Nähe unserer Geschäftsstelle in Wilhelmshaven bleibt diese am Dienstag, den 1. September 2026, geschlossen. In arbeitsrechtlichen Angelegenheiten erreichen Sie unsere Rechtsberatung unter: Wencke Janzjanz@awv-jade.de0151 11127185 …

Weiterlesen
27. August 2026

Deutsche WindGuard: ein Gigawatt in der technischen Betriebsführung

24/7-Leitstand sichert zuverlässig Verfügbarkeit von Erneuerbare-Energien-Anlagen Bedeutende Wachstumsmarke für die technische Betriebsführung der Deutschen WindGuard in Varel: In ihrem 24/7-Leitstand überwacht sie erstmals Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als …

Weiterlesen
26. August 2026

Prof. Dr. Juliane Benra verabschiedet sich aus dem Präsidium der Jade...

Rückblick auf fast drei Jahrzehnte als Professorin und Vizepräsidentin Wenn Prof. Dr. Juliane Benra auf ihre Zeit als Vizepräsidentin der Jade Hochschule zurückblickt, denkt sie vor allem an die vielen …

Weiterlesen
25. August 2026

Konjunkturumfrage der M+E-Industrie im Herbst 2026

Wie Sie wissen, führen die Arbeitgeberverbände der M+E-Industrie Norddeutschlands regelmäßig eine Konjunkturumfrage im Frühjahr und im Herbst durch. In diesem Herbst steht wieder die Tarifrunde an. Die Ergebnisse unserer Umfrage …

Weiterlesen
17. August 2026

Pflege braucht Verlässlichkeit – auch als Standortfaktor für Wilhe...

Pflege wird häufig vor allem als soziales Thema diskutiert. Das ist richtig, aber nicht vollständig. Pflege ist auch ein wichtiger Teil der regionalen Infrastruktur. Sie betrifft Familien, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, …

Weiterlesen
11. August 2026

Treuhand Gruppe bündelt Digitalisierungs- und KI-Kompetenz in eigenst...

Treuhand Digital Services GmbH verbindet betriebswirtschaftliches Know-how mit Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Technologieberatung Die Treuhand Gruppe baut ihr Beratungsangebot im Bereich Digitalisierung und Zukunftstechnologien gezielt aus: Mit der Treuhand Digital …

Weiterlesen
5. August 2026

CO2- und Wasserstoffspeicher: HES gestaltet Zukunftsthemen mit

Energiewende und Dekarbonisierung zählen zu den wichtigsten Themen in Industrie und Gesellschaft. Unser Mitglied HES hat für beide zukunftsfähige Lösungen parat.   Ohne die massive Reduktion von Kohlendioxid (CO2) und …

Weiterlesen
31. Juli 2026

M+E-Industrie: hohe Ausbildungserfolge, aber Anstrengungen nicht mehr ...

Aktuelle Arbeitsmarktzahlen zur Ausbildung Anders als in vielen anderen Branchen, in denen es an Bewerbern mangelt, wird die norddeutsche Metall- und Elektroindustrie vermutlich 9 von 10 ihrer Ausbildungsplätze besetzen können. …

Weiterlesen
29. Juli 2026

Arbeitsrecht kompakt: Betriebsferien – rechtssicher planen

Unter welchen Voraussetzungen sind Betriebsferien zulässig?§ 7 des Bundesurlaubsgesetzes weist darauf hin, dass bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs die Wünsche der Arbeitnehmenden zu berücksichtigen sind. Es sei denn, „dringende …

Weiterlesen

Zum Newsroom