Zurück zur Übersicht 19. März 2019

Pressespiegel: Konjunkturumfrage – Arbeitsmarkt

Fachkräftemangel bremst Wirtschaft aus

WARUM UNTERNEHMEN GUT BERATEN SIND, IHRE EIGENEN MITARBEITER ZU QUALIFIZIEREN

Jever – Noch brummt die Konjunktur. Die Arbeitslosenquote ist vergleichsweise niedrig. Hunderte von Arbeitsplätzen sind unbesetzt. Vor allem Fachkräfte und Experten werden von der Wirtschaft händeringend gesucht. Viele Unternehmen würden gern weitere Arbeitsplätze schaffen. Das sind einige Ergebnisse der „Konjunkturumfrage Frühjahr 2019“, die in Jever Thema war.

Konkret ging es dabei gestern um die Auswertung der Arbeitsmarktdaten. Henning Wessels und Jasper Strauß vom Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade (AWV) stellten zusammen mit den Leitern der Jobcenter Wilhelmshaven, Friesland und Wittmund das Zahlenwerk vor. Die Jobcenter gelten als wichtige Partner der Wirtschaft (Zufriedenheitsgrad 85 Prozent) bei der Aufgabe, neue Arbeitskräfte zu mobilisieren. Wie Andreas Bruns (Friesland) sagte, hätten allerdings über 60 bis 70 Prozent der Jobcenter-Kunden keine abgeschlossene Berufsausbildung. Klassische Ausbildungsgänge bis hin zum Berufsabschluss seien da häufig schwierig, auch weil sich Erwachsenen nicht immer der Sinn der Anstrengungen erschließt und das Lernen im Umfeld junger Leute in einer Berufsschulklasse nicht jedermanns Sache sei

„Die Arbeitgeber merken, dass sie sich bewegen müssen“, sagte AWV-Hauptgeschäftsführer Jasper Strauß. Teilzeit-Angebote, Heimarbeitsplätze, höhere Löhne etwa im Pflegebereich oder in der Gastronomie – aber die neuen Angebote müssten auch praktikabel und am Markt refinanzierbar sein. Häufig fehle es an der Kinderbetreuung oder an der Buslinie zum neuen Arbeitsplatz.

Wilhelmshavener Zeitung, (08.03.2019)

Auf der Suche nach Arbeitskräften

Viele Jobcenter-Kunden haben leider keinen Berufs- oder Schulabschluss

Jever – Noch bei der Präsentation der Frühjahrs-Konjunkturumfrage vor einer Woche hatte AWV-Präsident Tom Nietiedt davon gesprochen, dass der Fachkräftemangel im Jade-Wirtschaftsraum rund einen halben Prozentpunkt Wachstum kostet (wir berichteten). Wie die Umfrage des Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbands (AWV) Jade sowie der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Varel, des Wirtschaftsförderkreis Harlingerland und der Kreishandwerkerschaft Leer-Wittmund ergab, sind diese Zahlen nicht aus der Luft gegriffen. Demnach gaben 54,5 Prozent der 169 teilnehmenden Firmen an, der Fachkräftemangel beeinträchtige ihre Entwicklung – im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von zehn Prozentpunkten.

Insgesamt melden die Unternehmen 335 unbesetzte Arbeitsplätze. Zwar liegen nur 20 Prozent dieser freien Jobs im Bereich der Hilfstätigkeiten. Wegen der Arbeitskräftenachfrage steigen laut Thomas Hein jedoch die Berufschancen für jene Menschen, die „viele Jahre für den Arbeitsmarkt nicht interessant“ waren, das heißt, für die Bezieher von Arbeitslosengeld 2, auch „Hartz IV“ genannt.

Grundsätzlich freut sich der Leiter des Jobcenters Wilhelmshaven über die hohe Zahl der geplanten Arbeitsplätze (285), die die befragten Unternehmen in der Jadestadt schaffen wollen. „Was am Hafen passiert, das spüren wir jetzt unmittelbar“, so Hein, der das Ziel verfolgt, „zielgerichtet für die Branchen und Betriebe zu qualifizieren“. Aber, so der Behördenleiter gestern bei der Präsentation der Umfrageergebnisse: Viele der Jobcenter-Kunden „bringen wenig mit“. Im Klartext: 72 Prozent der Klienten haben keinen Berufs-, viele nicht einmal einen Schulabschluss.

Große Hoffnungen setzten die Jobcenter und der AWV auf das neue Teilhabechancengesetz, das seit dem 1. Januar 2019 neue Fördermöglichkeiten für Langzeitarbeitslose bietet. Thomas Hein bezeichnete das Gesetz als „ein Segen, um über einen langen Zeitraum aktiv zu werden“. Um die Chancen auf eine dauerhafte Beschäftigung zu steigern, geben die Jobcenter in den ersten beiden Jahren (von insgesamt möglichen fünf Jahren Förderzeitraum) Lohnzuschüsse in Höhe von 100 Prozent.

Der AWV-Hauptgeschäftsführer weiß: Um Langzeitarbeitslose zur Aufnahme einer Berufstätigkeit zu bewegen, müsse sich die Wirtschaft auf „vernünftige Tarifabschlüsse“ zubewegen. Gleichzeitig gab er jedoch zu bedenken, dass Lohnerhöhungen meist auch Preissteigerungen bedeuten.

 Jeversches Wochenblatt, Jörg Stutz (08.03.2019)

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