Zurück zur Übersicht 14. Oktober 2024

Wirtschaftskrise: Vier von zehn norddeutschen M+E-Betrieben beklagen fehlende Aufträge

„39 Prozent der norddeutschen Metall- und Elektrobetriebe klagen über fehlende Aufträge, im nordwestlichen Niedersachsen sind es sogar 45 Prozent. Damit fällt die Auslastung auf das drittniedrigste Niveau seit 18 Jahren. Und mit 71 Prozent erwarten fast drei Viertel der Unternehmen auch im kommenden halben Jahr keine Umsatzsteigerung“, resümiert NORDMETALL-Präsident Folkmar Ukena die Herbst-Konjunkturumfrage von NORDMETALL, AGV NORD und den Arbeitgeberverbänden Oldenburg, Ostfriesland sowie Bremen. „2025 werden wir nicht nur das dritte Jahr in Folge eine Rezession erleben, sondern auch eine echte Wirtschaftskrise“, prognostiziert der Familienunternehmer aus Leer in Ostfriesland.

Besonders betroffen sind energieintensive Branchen wie Gießereien und Hersteller von Metallerzeugnissen, von denen 77 bzw. 41 Prozent die Geschäftslage als unbefriedigend oder schlecht bewerten, vor allem aufgrund der unverändert hohen Energiepreise. Es folgen in der Negativ-Bewertung der Straßenfahrzeugbau (54 Prozent) und die Maschinenbauer (44 Prozent). 58 Prozent aller M+E-Betriebe im nordwestlichen Niedersachsen konstatieren eine unbefriedigende oder schlechte Geschäftslage, so viele wie in keinem anderen norddeutschen Bundesland. Die Kapazitätsauslastung der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie ist auf 82 Prozent gesunken und liegt damit rund vier Prozent unter dem Langzeitdurchschnitt. Lieferengpässe beklagt mit 33 Prozent vor allem der Luft- und Raumfahrzeugbau.

22 Prozent der norddeutschen Metall- und Elektrounternehmen planen inzwischen Produktionsverlagerungen ins Ausland (Nordwestliches Niedersachsen: 30 Prozent). Dies ist der höchste je in NORDMETALL-Konjunkturumfragen gemessene Wert. Vor allem im Straßenfahrzeugbau (31 Prozent) und im Luft- und Raumfahrzeugbau (27 Prozent) werden diese Überlegungen vorangetrieben. Für 67 Prozent der Unternehmen hat sich die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Deutschland in den vergangenen sechs Monaten verschlechtert (Nordwestliches Niedersachsen: 78 Prozent). Seit zwei Jahren pendelt dieser Wert um die erschreckende 70 Prozent Marke, vor sieben Jahren lag er noch bei 15 Prozent. Mit 84 Prozent sehen die norddeutschen Metall- und Elektrobetriebe vor allem die hohen Arbeitskosten als Belastung an. Es folgen die Bürokratielasten (63 Prozent), Material (62 Prozent) und Energiekosten (61 Prozent).

Lena Ströbele, NORDMETALL-Verhandlungsführerin in der aktuellen Tarifrunde resümiert: „Wir befinden uns nicht in einer vorübergehenden Konjunkturdelle, sondern in einer vermutlich lang andauernden Strukturkrise. Darauf müssen Arbeitgeber und Gewerkschaft in der gerade laufenden Tarifrunde eine angemessene Antwort finden. Die Betriebe brauchen planbare und zugleich flexible Rahmenbedingungen und eine Entlastung bei den Arbeitskosten. Diese sind zwar nicht der einzige Grund, weshalb Unternehmen dem Standort den Rücken kehren, aber die einzige Komponente, die wir als Tarifpartner selbst steuern können. Ein situationsgerechter Tarifabschluss wäre auch ein Beitrag zur Stärkung der Tarifbindung im Land”, so die Personaldirektorin der Lürssen-Gruppe.

Folkmar Ukena ergänzt: „Nicht nur die Tarifparteien müssen mit Blick auf die Standortsicherung verantwortlich verhandeln. Wir erwarten jetzt, dass die Bundesregierung endlich massiv an besseren Rahmenbedingungen für die Industrie und ihre Belegschaften arbeitet. Wir brauchen eine Unternehmenssteuerreform, die die Betriebe entlastet, rasch umgesetzte Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise und eine Offensive zur Entbürokratisierung, die vor allem die EU in den Blick nimmt. Angesichts der sich verschärfenden Wirtschaftskrise bleibt nicht mehr viel Zeit, um den Standort Deutschland zu stärken.“

19 Prozent der Unternehmen werden die Zahl ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den kommenden drei Monaten verringern (Nordwestliches Niedersachsen: 20 Prozent). Das ist der höchste Wert seit der Corona-Pandemie. Qualifizierte Fachkräfte sind weiterhin für fast zwei Drittel der Betriebe (62 Prozent) nur unbefriedigend oder schlecht verfügbar (Nordwestliches Niedersachsen: 59 Prozent), vor zwei Jahren lag der Wert mit 84 Prozent sogar noch höher. Geeignete Bewerberinnen und Bewerber für Ausbildungsplätze vermissen jetzt 56 Prozent der Firmen, im Herbst 2022 waren es 74 Prozent. „Der Fachkräftemangel bleibt wie die Rekrutierung von Nachwuchs weiter ein großes Problem. Nach unserer Einschätzung verliert er nur angesichts der Wirtschaftskrise an Schärfe“, konstatiert Folkmar Ukena.

213 Unternehmen mit rund 113.000 Beschäftigten nahmen im August und September an der Befragung in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und dem nordwestlichen Niedersachsen (hier: 40 Betriebe mit rund 13.400 Beschäftigen) teil.

Aktuelle News.

15. Mai 2026

So geht mobil in der VEJ-Region!

Es gibt tolle Neuigkeiten: die Verkehrsregion Ems-Jade (VEJ) befindet sich mitten im Wandel zum Umwelt- und Mobilitätsverbund.Seit 1997 setzt sich die VEJ für den kontinuierlichen Ausbau des ÖPNV-Angebots ein. Fest …

Weiterlesen
12. Mai 2026

Turbo-Technik erhält Auftrag zur Integration des NH90 Sea Tiger auf F...

Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat heute die Verträge zur Integration des Bordhubschraubers NH90 Sea Tiger auf den Fregatten der Klasse F124 mit der Turbo-Technik …

Weiterlesen
8. Mai 2026

Zwischen Transfergerüchten, Bratwurst und Bundesliga-Talk

Wirtschaft trifft Sport bringt Netzwerk, Einblicke und Fußball-Leidenschaft zusammen Was passiert, wenn Sportjournalismus auf die regionale Wirtschaft trifft? Es entsteht ein Abend voller spannender Geschichten, authentischer Einblicke hinter die Kulissen …

Weiterlesen
7. Mai 2026

Personalleiterrunde im Austausch: Suchtprävention im Betrieb

Austausch und Einblicke bei der Neuen Jadewerft GmbH Die jüngste Sitzung der Personalleiterrunde führte die Teilnehmenden zur Neuen Jadewerft – und bot neben spannenden Einblicken in die Wilhelmshavener Werft, die …

Weiterlesen
7. Mai 2026

30.000 MINT-Fachkräfte fehlen im Norden – gezielte Maßnahmen nöti...

In der Metall- und Elektroindustrie der fünf norddeutschen Bundesländer fehlen immer noch rund 30.000 MINT-Fachkräfte. Bundesweit sind es fast 134.000. Das zeigt der neue MINT-Report des Instituts der deutschen Wirtschaft. …

Weiterlesen
7. Mai 2026

Studierende bescheinigen der Jade Hochschule im CHE-Ranking gute Noten

Besonders punktet der Studiengang Betriebswirtschaftslehre Die Studierenden der Jade Hochschule sind mit ihren Studienbedingungen durchweg zufrieden. Das zeigen die neuen Ergebnisse des CHE Hochschulrankings 2026/27 für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften …

Weiterlesen
24. April 2026

1.000‑Euro‑Prämie: Zusätzliche Kosten statt echter Entlastung

Die nun final beschlossene 1.000‑Euro‑Einmalprämie für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird öffentlich als Beitrag zur Unterstützung in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten diskutiert. Aus Sicht vieler Unternehmen – insbesondere im Mittelstand – wirft …

Weiterlesen
13. April 2026

Kreislaufwirtschaft trifft HR – Personalleiterrunde zu Gast bei Nehl...

Die letzte Personalleiterrunde führte uns zur Nehlsen AWG GmbH & Co. KG ins Wangerland. Das traditionsreiche Unternehmen blickt auf über 100 Jahre Erfahrung in nachhaltigen Dienstleistungen und verantwortungsvollem Wirtschaften zurück …

Weiterlesen
27. März 2026

Ein Karussell verbindet – wie tbd einen inklusiven Spielplatz ermög...

Ein bisschen Drehschwindel kann Schulpausen beleben – etwa wenn ein Karussell auf dem Spielplatz in Schwung kommt. Den können Kinder an der Grundschule am Ottermeer am Nordrand der Stadt Wiesmoor …

Weiterlesen
26. März 2026

Wasserstoff-Befüllung mit 90 Tonnen bei Pilotprojekt H2CAST Etzel erf...

Mitte März konnte die Befüllung der beiden Kavernen durch die führenden Konsortialpartner STORAG ETZEL und Gasunie mit rund 90 Tonnen beziehungsweise 1 Mio. Normkubikmeter Wasserstoff beim Forschungsprojekt H2CAST Etzel erfolgreich …

Weiterlesen

Zum Newsroom