Zurück zur Übersicht 18. März 2026

Steigende Kosten und Bürokratie belasten Unternehmen der Jade Wirtschaftsregion

Wirtschaftsumfrage 2026: Entlastungen und flexiblere Rahmenbedingungen gefordert

Die Ergebnisse der Wirtschaftsumfrage 2026 zeichnen aus Sicht des Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbandes Jade e.V., des Wirtschaftsförderkreises Harlingerland e.V. sowie des Netzwerks Wirtschaft Varel e.V. ein zunehmend angespanntes Bild der wirtschaftlichen Situation in der Jade Wirtschaftsregion. Ähnlich zur bundesweiten Entwicklung hat sich die Lage vieler Unternehmen im Vergleich zum Vorjahrweiter eingetrübt. Die Ergebnisse verdeutlichen zudem eine wachsende Unzufriedenheit der regionalen Wirtschaft mit der Bundespolitik. Vor allem der Wunsch nach spürbaren Entlastungen durch die Politik ist deutlich ausgeprägt – allen voran steht erneut die Forderung nach einem konsequenten Abbau bürokratischer Hürden. Erfreulicherweise lassen die Ergebnisse gleichzeitig erkennen, dass zahlreiche Unternehmen trotz der schwierigen Rahmenbedingungen eine bemerkenswerte Stabilität zeigen und weiterhin fest zum Wirtschaftsstandort Jade Wirtschaftsregion stehen.

Wirtschaftliche Lage und Prognose
Insgesamt zeigt sich, dass sich die wirtschaftliche Lage in der Jade Wirtschaftsregion im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert hat. Im Frühjahr 2026 beurteilen nur noch 37% diese als gut – ein Rückgang gegenüber 40% im Frühjahr 2025.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Auftragsbestand wider: Im Durchschnitt reicht er nur noch für etwa 10 Monate, während er im Vorjahr noch rund ein Jahr abdeckte. 54% der Unternehmen bewerten ihren Auftragsbestand als ausreichend. Der Anteil der Betriebe mit einem hohen Auftragsbestand ist nur leicht von 24% im letzten Jahr auf 25% gestiegen. Der niedrigere Auftragsbestand wirkt sich auch auf die Kapazitätsauslastung aus, die im Durchschnitt bei 80% liegt – ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (84%).

Gleichzeitig bleibt der anhaltende Kostenanstieg für viele Unternehmen eine zentrale wirtschaftliche Herausforderung. Die Lohnkosten sind im Durchschnitt um 7,95% gestiegen, die Materialkosten um 7,64%. Auch die Energiekosten haben sich mit einem Plus von 8,43% spürbar erhöht. AWV-Präsident Tom Nietiedt betont: „Die Folgen der Kostensteigerungen zeigen sich bereits deutlich: Sinkende Margen und Erträge führen in einigen Fällen zu negativen Gewinnsituationen. Viele Unternehmen verfügen nur über begrenzte Möglichkeiten, ihre Preise anzupassen, was langfristig dazu führen kann, notwendige Investitionen aufzuschieben. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerbs- und Preisdruck im Vergleich zum europäischen Ausland hoch.“

Die insgesamt angespanntere wirtschaftliche Lage spiegelt sich auch in den Erwartungen der Unternehmen für die kommenden sechs Monate wider. Nur 31% der befragten Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung (10%) beziehungsweise mit einer eher befriedigenden Entwicklung (21%). Damit fällt die Perspektive etwas pessimistischer aus als noch vor einem Jahr, als noch 34% entsprechend optimistisch waren. Gleichzeitig erwarten inzwischen 16,2% der Unternehmen rückläufige Umsätze – rund fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. „Trotz dieser vorsichtigen Prognosen plant die Mehrheit der Unternehmen, ihre Mitarbeiterzahlen konstant zu halten, und mehr als ein Viertel möchte sogar zusätzliches Personal einstellen. Das ist ein wichtiges und positives Signal für die Beschäftigungssituation und zeigt, dass viele Betriebe weiterhin auf ihre Fachkräfte setzen und langfristig planen“, so Thomas Bruns, AWV-Vizepräsident.

Zum vierten Mal in Folge steht der Bürokratieabbau ganz oben auf der Prioritätenliste der Unternehmen: 91% der Befragten (87%) sehen hier den dringendsten Handlungsbedarf. Die Betriebe fordern insbesondere den Abbau detaillierter Vorschriften, eine deutliche Reduzierung von Dokumentationspflichten sowie schnellere Genehmigungsprozesse – etwa bei Baugenehmigungen, Förderanträgen und Ausschreibungen. „Weniger Vorschriften und schlankere Verfahren würden den Betrieben spürbar helfen, Investitionen schneller umzusetzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, erklärt AWV-Hauptgeschäftsführer Henning Wessels. Darüber hinaus zählen auch die Senkung der Arbeitgeber-Sozialausgaben, Verbesserungen in der Bildungspolitik, eine stärkere Förderung der Digitalisierung sowie Maßnahmen gegen den Arbeitskräftemangel zu den wichtigsten Forderungen der Unternehmen.
Mit der bisherigen Arbeit der aktuellen Bundesregierung ist der Großteil unzufrieden: Mehr als drei Viertel der Befragten (75,2%) bewerten die Arbeit der Koalition aus CDU und SPD nur als befriedigend oder ausreichend. 16% der antwortenden Unternehmen beurteilen den bisherigen Kurs der Bundesregierung sogar als mangelhaft.

Bewertung der Standort-Rahmenbedingungen
„Trotz der derzeit herausfordernden wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen bleibt die Jade Wirtschaftsregion für die ansässigen Unternehmen ein stabiler Standort. Die überwiegende Mehrheit bewertet die Bedingungen weiterhin positiv; lediglich 6,7% der Befragten berichten von einer Verschlechterung der Situation für ihr Unternehmen“, gibt Ekkehard Brysch, Vorstandsvorsitzender des Netzwerks Wirtschaft Varel e.V. bekannt. „Insgesamt wird die Attraktivität unserer Region sowohl für bestehende Betriebe als auch für potenzielle Neuansiedlungen von den meisten Unternehmen als konstant eingeschätzt“, ergänzt Frank Happe, Geschäftsführer des Wirtschaftsförderkreises Harlingerland. Eine gut erreichbare und leistungsfähige Krankenhausversorgung wird dabei von 67% der Befragten als wichtiger wirtschaftlicher Standortfaktor hervorgehoben.

Die Umfrage
An der diesjährigen Wirtschaftsumfrage im Frühjahr 2026 haben sich 166 Unternehmen beteiligt, die zusammen 33.265 sozialversicherungspflichtige Beschäftigten einen Arbeitsplatz bieten. Bezogen auf die teilnehmenden Gebietskörperschaften – die kreisfreie Stadt Wilhelmshaven sowie die Landkreise Wittmund und Friesland – entspricht dies einem Repräsentationsgrad von 44,82%. „Mit dieser Rekordzahl in diesem Jahr erhalten wir erneut belastbare und aussagekräftige Ergebnisse. Die große Vielfalt der Branchen ermöglicht es uns, einen umfassenden Überblick über alle Wirtschaftszweige der Region zu gewinnen“, betonen die Kooperationspartner.

Hintergrund
Der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade e.V. befragt regelmäßig in Kooperation mit dem Wirtschaftsförderkreis Harlingerland e.V. und dem Netzwerk Wirtschaft Varel e.V.. die Mitgliedsunternehmen in der Jade Wirtschaftsregion zu aktuellen Themen und der wirtschaftlichen Lage. Darüber hinaus bewerten die Unternehmen die Standort-Rahmenbedingungen und geben eine Prognose für die kommenden sechs Monate. Die Umfrage zum Bereich Arbeitsmarkt wird gemeinsam mit den regionalen Jobcentern im Herbst dieses Jahres durchgeführt.

Factsheet zur Wirtschaftsumfrage: Die wichtigsten Ergebnisse auf einem Blick

v.l.: Henning Wessels, Thomas Bruns, Tom Nietiedt, Frank Happe, Ekkehard Brysch

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