Zurück zur Übersicht 11. Juni 2026

Wilhelmshavener Spar- und Baugesellschaft eG: Bilanzpressekonferenz

Bei der Bilanzpressekonferenz am 10. Juni 2026 konnte der Vorstand der SPAR + BAU, Peter Krupinski und Ole Ott, erneut ein solides Zahlenwerk für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 präsentieren. Trotz dieser positiven Bilanz sitzen die Sorgenfalten in der Branche tief – das Marktumfeld hat sich seit 2020/21 massiv eingetrübt. Eine spürbare Besserung ist bislang nicht in Sicht.

Globale Krisen, geopolitische Konflikte sowie volatile wirtschaftliche Rahmenbedingungen erschweren weiterhin langfristige Planungen und dämpfen Konjunktur und Investitionsbereitschaft erheblich. Auch sozial hinterlassen diese Entwicklungen Spuren: Gesellschaftlich nimmt die Ungeduld spürbar zu, Konflikte eskalieren schneller. Dies belastet bisweilen auch Hausgemeinschaften und stellt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor wachsende Herausforderungen. Als Wohnungsbaugenossenschaft setzt die SPAR + BAU hier bewusst auf Zusammenhalt, Solidarität und Fairness, um mit ihren Mitgliedern gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden.

JAHRESERGEBNIS
Wirtschaftlich war 2025 für die SPAR + BAU ein erfolgreiches Jahr. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist zum 31.12.2025 einen Jahresüberschuss von rund 3,6 Mio. € aus (Vorjahr: ca. 4,0 Mio. €). Die Eigenkapitalbasis wurde weiter gestärkt und beträgt nunmehr 105,6 Mio. €, was einer Eigenkapitalquote von 54,2 % entspricht (Vorjahr: 52,9 %). Die Bilanzsumme wächst auf 194,6 Mio. € an. Wie bereits im Vorjahr soll der Großteil des Jahresüberschusses – vorbehaltlich der Zustimmung der Vertreterversammlung – den Rücklagen zugeführt werden, um auch weiterhin eine nachhaltige Bestandsbewirtschaftung gewährleisten zu können.

WOHNUNGSBESTAND UND NEUBAU
Die SPAR + BAU hat den eigenen Wohnungsbestand im vergangenen Jahr gezielt ausgebaut und qualitativ verbessert. Zum Stichtag 31.12.2025 bewirtschaftet die Genossenschaft 3.724 Wohnungen – 14 Wohnungen mehr als im Vorjahr (3.710). Dieser Zuwachs resultiert aus dem planmäßigen Abschluss des Neubauprojektes in der Paul-Hug-Straße 8, dessen 14 barrierefreie Mietwohnungen im April 2025 fertiggestellt und ab 1. Mai 2025 bezogen werden konnten. Das innerstädtische Karree Grenzstraße/Paul-Hug-Straße/Kieler Straße erfuhr dadurch eine deutliche städtebauliche Aufwertung. Für den dritten Bauabschnitt des Neubauprojektes Wiesbadenbrücke liegt der SPAR + BAU seit Ende 2024 zwar eine Baugenehmigung vor, ein Baubeginn ist
angesichts der angespannten Rahmenbedingungen jedoch weiterhin nicht absehbar.

Regulatorische Auflagen, hohe Baukosten sowie ein anhaltend erhöhtes Zinsniveau in Kombination mit einer deutlich verschlechterten Förderkulisse machen die Realisierung neuer Projekte zu bezahlbaren Mieten aktuell nahezu unmöglich. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Stimmung in der deutschen Wohnungsbauwirtschaft laut ifo-Institut im April so stark eingebrochen ist wie seit rund vier Jahren nicht mehr. Das Geschäftsklima fiel nach Angaben des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts von minus 19,3 auf minus 28,4 Punkte.

BESTANDSBEWIRTSCHAFTUNG
Ungeachtet der herausfordernden Rahmenbedingungen hat die SPAR + BAU 2025 ihren Kurs der nachhaltigen Bestandsentwicklung fortgesetzt: Insgesamt flossen rund 9,7 Mio. € in Instandhaltung und Modernisierung (Vorjahr: 9,2 Mio. €). Das entspricht knapp 38,00 €/m² Wohnfläche. Rund 8.700 Instandhaltungsaufträge wurden im Laufe des Jahres erfolgreich abgewickelt. 444 Wohnungen wurden neu vermietet und mehr als 100 Wohnungen im Bestand umfassend modernisiert bzw. renoviert. Von den Investitionen profitiert nicht nur die Wohnqualität der Mitglieder, sondern auch die regionale Wirtschaft: Über 90 % der Aufträge wurden erneut an örtliche Handwerksbetriebe vergeben und sichern so zahlreiche Arbeitsplätze in der Region. Auch im Jahr 2026 soll dieser Kurs fortgesetzt werden – mit Investitionen von knapp 10 Mio. € in die Wohnungsbestände.
Die durchschnittliche Nettokaltmiete liegt mit 6,83 €/m² weiterhin auf einem moderaten Niveau bei gleichzeitig unverändert vollständiger Vermietung des Bestandes.

MITGLIEDERENTWICKLUNG
Die positive Entwicklung der Genossenschaft setzt sich auch auf Mitgliederebene fort: Die Zahl der Mitglieder stieg im Geschäftsjahr 2025 auf 10.369 (Vorjahr: 10.267). Dies unterstreicht die weiterhin hohe Attraktivität der genossenschaftlichen Idee und die starke Verankerung der SPAR + BAU in der Region.

MIETERWECHSEL / LEERSTAND
Im Geschäftsjahr 2025 stieg die Mieterfluktuation geringfügig von 10,4 % auf 10,8 %. Demgegenüber weist die SPAR + BAU wie im Vorjahr eine Vollvermietung ihres Bestandes aus – zum vierten Mal in Folge lag die vermietungsbedingte Leerstandsquote bei 0,00 %.

KLIMANEUTRALE TRANSFORMATION UND GESETZLICHE RAHMENBEDINGUNGEN
Die klimaneutrale Transformation des Gebäudebestandes bleibt eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre. Die gesetzlichen Anforderungen sowie steigende Energiepreise erfordern wirtschaftlich tragfähige Lösungen, die ökologische Zielsetzungen und bezahlbares Wohnen miteinander in Einklang bringen.
Allerdings besteht weiterhin eine erhebliche Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität, konstatieren Peter Krupinski und Ole Ott.
Die Umsetzung der in Niedersachsen geltenden Vorgabe, bis 2040 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, bewertet der Vorstand unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen nicht nur als überaus ambitioniert, sondern schlicht als unrealistisch. Für viele Wohnungsunternehmen würde dies eine Verdoppelung ihrer jährlichen Investitionen erfordern, was die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Branche insgesamt bei Weitem übersteigt.

„Die Wohnungswirtschaft benötigt endlich wieder verlässliche und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen. Der Abbau überbordender Bürokratie, klare und langfristig planbare gesetzliche Vorgaben sowie eine angemessene Förderkulisse für den Mietwohnungsneubau und die Wärmewende im Heizungskeller sind zwingend erforderlich und dulden keinen weiteren Aufschub. Nur so können wir die notwendigen Investitionen stemmen und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum sichern“, betont das Vorstandsduo Peter Krupinski und Ole Ott.

Vor diesem Hintergrund hält die SPAR + BAU unbeirrt an ihrer pragmatischen Klimastrategie fest: Im ersten Schritt werden insbesondere jene Quartiere identifiziert, bei denen Kostenaufwand und energetischer Nutzen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Die aus einem in Planung befindlichen Pilotprojekt (155 Wohneinheiten) gewonnenen Erkenntnisse sollen als Blaupause für die sukzessive klimaneutrale Transformation des gesamten Bestandes dienen.

Dabei verschafft das jüngst beschlossene Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) der Wohnungswirtschaft bei der notwendigen Dekarbonisierung des Gebäudebestandes etwas mehr zeitlichen und wirtschaftlichen Spielraum, wirft dabei aber neue und bislang ungelöste Problemlagen auf. So greift ab 2029 die sogenannte „Bio-Treppe“. Sie verpflichtet dazu, Gas- und Ölheizungen schrittweise mit erneuerbaren Brennstoffen zu betreiben. Die dafür erforderlichen Energieträger sind jedoch teuer und nur begrenzt verfügbar – steigende Heizkosten erscheinen daher vorprogrammiert.

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v.l.: Vorstandsvorsitzender Peter Krupinski, Vorstandsmitglied Ole Ott )Foto: Wilhelmshavener Spar- und Baugesellschaft eG)

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