Zurück zur Übersicht 23. Februar 2018

Unternehmen im Jade Wirtschaftsraum präsentieren sich im Frühjahr 2018 positiv

Vorstellung der Ergebnisse der Konjunkturumfrage Frühjahr 2018

Jade Wirtschaftsraum – Die Konjunkturumfrage Frühjahr 2018 wurde auch in diesem Jahr in Kooperation zwischen dem Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade e. V., dem Wirtschaftsförderkreis Harlingerland e. V. und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Varel e.V. durchgeführt.
An der Umfrage beteiligten sich insgesamt 96 Unternehmen mit insgesamt über 18.793 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten aus dem Jade Wirtschaftsraum (Stadt Wilhelmshaven, Landkreis Friesland und Landkreis Wittmund). Dies stellt 26,1 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse des Jade Wirtschaftsraums dar.

Wirtschaftliche Lage und Prognose
Im Frühling des Jahres 2018 stehen die Unternehmen im Jade Wirtschaftsraum sehr gut dar. Entsprechend bewerten aktuell über 90 % der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut bzw. befriedigend. Dies resultiert auch aus der gegenwärtigen Auftragsbestandssituation, die von über 80 % der befragten Unternehmen als gut bzw. ausreichend hoch bewertet wird. Auch entsprechend positiv stellt sich die Kapazitätsauslastung im Durchschnitt mit über 90 % dar. Als Parameter für die zukünftige Kostensituation wird die Lohnsteigerung angeführt, die zu 3,5 % zu Buche schlägt. In Anbetracht der noch anstehenden Tarifauseinandersetzungen wird sich dieser Wert über den Jahresverlauf voraussichtlich noch weiter erhöhen. Höhere Materialkosten führen zu Kostensteigerungen von rund 4 %.

Auf Grundlage dieser sehr positiven Situation schauen die Unternehmen entsprechend zuversichtlich auf die erste Jahreshälfte, so dass knapp 90 % von einer positiveren bzw. gleichbleibend guten Geschäftsentwicklung ausgehen. Damit korrespondierend erwarten bis zur Jahresmitte die Unternehmen gleichbleibend gute Verkaufspreise, die sie am Markt erzielen können. Auch sind nach wie vor Investitionen geplant dies bei über 90 % der Unternehmen. Mitursächlich für die Investitionsfreude der Unternehmen ist nach wie vor das niedrige Zinsniveau am Kapitalmarkt, das Kreditierungen erleichtert.

Alles in allem präsentieren sich die Unternehmen im Jade Wirtschaftsraum im Frühjahr 2018 absolut positiv. Dieses wirtschaftliche Wohlfühlklima scheint sich auch auf die Mitarbeiter auszuwirken, die einen durchschnittlichen Krankenstand von 5,57 % im Jade Wirtschaftsraum aufweisen. Dieser Wert liegt ungefähr auf dem Niveau des Durchschnitts der gesetzlichen Krankenkassen, der aktuell bei 5,27 % liegt.

Erwartungen an Bundes- und Landesregierung
Der Blick auf die Schaltzentralen in Berlin und Hannover fällt bei den Unternehmen kritisch-differenziert aus. In Anbetracht der aktuell stark umworbenen Fortsetzung der großen Koalition in Berlin scheiden sich die Geister: Ein Drittel ist dafür, ein Drittel ist neutral und ein Drittel ist gegen die Fortsetzung der großen Koalition bestehend aus SPD und CDU. Die Zerrissenheit in der Gesellschaft existiert offenbar auch innerhalb der Unternehmerschaft. Einigkeit hingegen besteht bei dem Ranking der wesentlichen Themen für die neue Bundesregierung: Bildung, Digitalisierung und Unternehmenssteuerreformen sind die drei Favoriten, die von einer kommenden Bundesregierung oben auf die Agenda zu nehmen seien. Als weitere Themen werden die Energiewende, der Bürokratieabbau sowie Stabilisierung der inneren Sicherheit benannt.
Von der GroKo-Landesregierung in Hannover erwarten die Unternehmen insbesondere ein stärkeres Engagement beim Thema Verkehrsinfrastruktur mit dem Paradebeispiel Ausbau der Autobahn A 20, dem Vorantreiben der zweiten Ausbaustufe des Jade-Weser-Ports sowie des Ausbaus des Breitbandnetzes und des Vorantreibens der Digitalisierung. „Infrastruktur“ ist hier der Schlüsselbegriff.

Ein großes Defizit sehen die befragten Unternehmen und die darin beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach wie vor bei der flächendeckenden Versorgung mit Kinderbetreuungsangeboten. So geben 33 % der Befragten an, nicht ausreichend auf Betreuungsplätze zugreifen zu können. Insbesondere werden hier die Verlässlichkeit der Betreuung, die Unsicherheit des tatsächlichen Erhalts eine Platzes, die nach wie vor nicht gegebene staatliche Finanzierung und insbesondere die nicht ausreichend langen Betreuungszeiten in die Abendstunden hinein kritisiert und als Verbesserungswünsche an die Kommunen adressiert.

Rahmenbedingungen und Wirtschaftsförderung
Positiv bewerten die Unternehmen die Standardattraktivität des Jade Wirtschaftsraumes, wobei nach wie vor Verbesserungspotential zu erwarten bleibt. Und dies richtet sich insbesondere an die Arbeit und Qualität der Regionalen Wirtschaftsförderung:

Den ersten Platz, wie auch schon im Vorjahr, sichert sich hier im Landkreis Wittmund der Wirtschaftsförderkreis Harlingerland, den die Unternehmen mit einer glatten 2 in seiner Arbeit bewerten. Pflege der Bestandsunternehmen, Unterstützung bei Ansiedlungsprojekten, Informationen über aktuelle Förderkulissen sowie gute Kommunikation zwischen Politik, Wirtschaft und Verwaltung sind hier die maßgeblichen Faktoren, die zu der sehr positiven Bewertung der Arbeit des Wirtschaftsförderkreises Harlingerland führen. Auch wenn von ihm nicht zu verantworten, so gibt es jedoch massive Kritik an der inzwischen schlechten Betreuung der Handwerksunternehmen im Landkreis Wittmund, die sich im Stich gelassen fühlen.

Die Wirtschaftsförderung des Landkreises Friesland hat sich im Vergleich zum Vorjahr mit der Note 2,4 leicht verschlechtert – wird jedoch nach wie vor positiv in ihrer Arbeit bewertet. Dennoch wünschen sich die Unternehmen die Mitinitiierung besserer Infrastrukturvoraussetzungen, was insbesondere für die Breitbandversorgung, den ÖPNV und das Handynetz gilt. Gerichtet an die eigentliche Institution wünschten sich die Unternehmen mehr Präsenz und eine engere Abstimmung mit den Unternehmen, um die tatsächlichen Bedarfe besser in Erfahrung zu bringen.

Den Friesländischen „Satelliten“ der Wirtschaftsförderung bei der Stadt Varel sehen die Unternehmen nach wie vor kritisch. Auch wenn hier eine leichte Notenverbesserung von 3,3 auf 3,2 zu verzeichnen ist, stellt sich in der Unternehmerschaft nach wie vor die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines solchen „Feigenblattes“, das weder wahrgenommen wird noch messbare Erfolge vorzuweisen hat.

Die rote Laterne im kommunalen Vergleich trägt nach wie vor leider die Wirtschaftsförderung der Stadt Wilhelmshaven, die sich auf ihren Tiefstwert von 4,1 in der Bewertung verschlechtert hat. Nicht wahrnehmbare Öffentlichkeitsarbeit, keinerlei spürbare Vermarktungsaktivitäten der Gewerbeflächen, schlecht geschnittene Gewerbegebiete und zu hohe Steuersätze verhageln hier die Bewertungen. Hinzu kommen keinerlei Ansprache und Pflege von Bestandsunternehmen, so dass die „Chefsache Politik“ offenbar nicht aufgeht.

Übereinstimmend wünschen sich die Unternehmen eine stärkere Unterstützung bei der Gewinnung von Fachkräften, der Pflege und Beratung von Bestandsunternehmen, um diese bei zukunftsorientierten Entwicklungen besser zu beraten und zu unterstützen. Hierzu gehört auch eine bessere Beratung und Kommunikation über existierende Fördermöglichkeiten. In der Hoffnung auf weitere Arbeitsplätze und wirtschaftliche Synergien setzen die Unternehmen hier auf Neuansiedlungen, die im stärkeren Maße forciert werden müssen.

Erwartungen 2018
Klar fallen die Erwartungen für das Jahr 2018 an die Landkreise und die kreisfreie Stadt Wilhelmshaven aus:
Anstelle von sich wiederholenden Lippenbekenntnissen die längst überfällige Kooperation im Bereich der Wirtschaftsförderung endlich umzusetzen und durch eine gemeinsame Vermarktung der Gewerbeflächen überregional für Neuansiedlungen in der Region zu werben und die Entwicklung der Flächen zu forcieren. Hierzu gehört nach Auffassung der Unternehmen die Überführung aller Gewerbeflächen im Jade Wirtschaftsraum in ein gemeinsames interkommunales Gewerbegebiet, wie es der Jade Weser Park schon ist, um einheitliche Steuersätze zu generieren und um die gemeinsame Vermarktung zu ermöglichen. Unausweichlich ist auch hier die Bildung einer regionalen Dachmarke, die durch eine reformierte Jade Bay – ausgestattet mit neuen Aufgaben, neuem Budgets und neuen Führungsköpfen – erfolgen könnte.

Unerlässlich hierneben ist jedoch die Neuaufstellung insbesondere der Wirtschaftsförderung in Wilhelmshaven, damit diese in enger Abstimmung mit den Unternehmen ihren Namen wieder zu Recht trägt. Gleiches gilt auch für den Landkreis Friesland, wo die Unternehmen insbesondere aus dem Bereich Varel sich für eine Vereinheitlichung der Wirtschaftsförderung unter Aufgabe des Satelliten in Varels aussprechen. Daneben aber soll auch hier eine gemeinsame Wirtschaftsförderung mit den Unternehmen angestrebt werden, um die Kommunikation und fachliche Expertise deutlich zu verbessern.

 

Bild: v. l. Thomas Bruns, AWV Jade Vizepräsident; Thomas Hohmann, AWV Jade Vizepräsident; Tom Nietiedt, AWV Jade Präsident; Henning Wessels, Referent Arbeitsmarkt und Weiterbildung und Jasper Strauß, AWV Hauptgeschäftsführer

Quelle: Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade e. V.

 

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